Fünf-Flüsse-Radweg – von Passau per Rad an der Donau bis Enns

Einmal im Jahr geht‘s für unseren kreativen Kopf Christine mit Schwester Petra auf Tour, entweder zu Fuß oder per Rad. Ganze 7 Tage waren die beiden aus eigener Kraft und ohne Motor auf dem neuen Fünf-Flüsse-Radweg unterwegs. Ein Reisebericht.

                                                  

Die Kurzfassung

Von Passau ging es per Rad an der Donau entlang, fast immer eben bis Enns, wo der Fluss Enns in die Donau mündet. Wir fuhren an der Enns bis Radstadt, der Dauerregen bremste uns aus und mit dem Zug ging‘s bis nach Bischofshofen, weiter an der Salzach entlang durch Salzburg bis Burghausen. Im Europareservat „Unterer Inn“ mündet die Salzach in den Inn. Nun folgte der Endspurt mit Tempo am Inn bis Passau. Mit dem Zug ging es schließlich zurück nach Nürnberg und von dort aus an der Pegnitz bis nach Schwaig – insgesamt ca. 570 km.

Tag 1

Frühzeitig geht es mit dem Zug los von Schwaig nach Passau, der „Dreiflüssestadt“. Donau, Inn und Ilz fließen an der Grenze zu Österreich zusammen. Hier ist der Start unserer Radtour, deren erste Etappe uns 75 km an der Donau bis Ottensheim führt.

Über Obernzell, Jochenstein (imposantes Kraftwerk mit sehenswertem Infozentrum) und Engelhartszell gelangen wir auf ruhigen Radwegen in bezaubernder Landschaft zum ersten Höhepunkt der Reise: Die Schlögener Schlinge – hier windet sich die Donau auf zwei mächtigen Fluss-Schleifen durch die Hohen Waldberge des Mühlviertels.
Weiter geht es auf traumhaften Radwegen durch ein Flusstal. Eine Landschaft, vergleichbar wie manche Fjorde Norwegens.
Den Tag lassen wir in Ottensheim, einer idyllisch gelegenen Marktgemeinde in Oberösterreich, ausklingen.

Tag 2

Gut gestärkt geht‘s Richtung Linz, der Landeshauptstadt von Oberösterreich und der drittgrößten Stadt Österreichs. Eine ausgiebige Pause im Zentrum, auf dem barocken Hauptplatz, der mit rund 13.200 m² einer der größten umbauten Plätze Österreichs ist. In der Mitte befindet sich eine eindrucksvolle 20 Meter hohe Säule, die im Jahr 1723 vollendet wurde. Die Säule, die aus weißem Marmor gefertigt wurde, ist der Dreifaltigkeit gewidmet und wurde aus Dankbarkeit für die überstandenen Katastrophen und zum Schutz vor Feuersbrunst, Krieg und Pest errichtet.

Sehr wichtig, die Stadt ist namensgebend für die Linzer Torte, deren Rezept als das älteste bekannte Tortenrezept der Welt gilt.

Weiter geht es in Richtung Enns, der ältesten Stadt Österreichs. Hier beginnt unser Ennsradweg, ein Geheimtipp für Naturbegeisterte und Genießer. Seine Route führt durch die Bundesländer Oberösterreich, Steiermark und Salzburg. Die Tour entlang der Enns bietet imposante Bergpersönlichkeiten, romantische Täler, rauschende Wildbäche, verträumte Dörfer und historische Städte.

Nach 83 km auf unserer zweiten Etappe übernachten wir in Ternberg.

Tag 3

Auf kleinen und leicht hügeligen Wegen radeln wir durch das bezaubernde Ennstal nach Losenstein, dessen Burg auf einem steil aufragenden Felsen über dem Ortsbild herrscht. Wir – die Sportlichen mit guter Kondition – wählen die Alternativroute, den abenteuerlichen, aber herrlichen Reichraminger Hintergebirgsradweg und bewältigen dabei die langen leichten und kurzen sehr anstrengenden, aber zu schaffenden Anstiege mit ihren vielen oft sehr langen Tunnels. Das Reichraminger Hintergebirge gilt als das größte geschlossene und unbesiedelte Waldgebiet Österreichs und gehört zu einem großen Teil zum Nationalpark Kalkalpen. Über St. Gallen geht es vorbei an beeindruckenden Waldbergen durch die zerklüfteten Kalkalpen. In Mooslandl finden wir endlich ein schönes kleines Hotel nach ca. 73 km.

Tag 4

Wir starten am Morgen bei Nieselregen in Richtung Nationalpark Gesäuse. Der Fluss Enns bahnt sich beim Naturdenkmal Gesäuseeingang tosend den Weg durch eine Schluchtstrecke. Prägende Elemente sind eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft mit tiefdunklen Wäldern, weiten Streuobstwiesen, idyllischen Almen und beeindruckenden Flüssen, die von den Bergmassiven des Gesäuses und des Hochschwabs umgeben sind. Das Gesäuse steht, wie der gesamte Westen und Norden Österreichs, unter Einfluss des feuchtgemäßigten, mitteleuropäisch-ozeanischen Klimas. Dies bekamen wir gründlich zu spüren, ab Mittag fuhren wir bei Regen. Unser Einsatz wurde nach ca. 76 km mit einer preiswerten Übernachtung im Wellnesshotel „Landhaus Gabriel“ in Irdning belohnt. Wir genossen noch die Sauna und ließen uns das reichhaltige Menü zum Grillabend schmecken. Dabei vergaßen wir die Wetteraussichten für den nächsten Tag, sehr niederschmetternd – Regen – Regen – Regen.

Tag 5

Am Morgen Regen .…Trotz des tollen Wellnesshotels, in dem wir uns noch einen Tag hätten verwöhnen lassen können, ging es weiter per MTB Richtung Schladming. Von Natur und Umwelt dieser naturbelassenen Region der Salzburger Skiwelt bekamen wir aufgrund des Regens wenig mit. Schladming ist die bedeutendste Stadt im oberen Ennstal, vor allem bekannt als Wintersportort – 2013 war Schladming Austragungsort der ALPINE SKI WM. Wir fuhren noch weiter bis zum Bahnhof Radstadt. Auf die Strecke bis zur Quelle der Enns bei Flachau Winkel mussten wir leider auch wegen des starken Regens verzichten. Ein bissl Glück hatten wir doch, ein IC Zug nahm uns für 14,60 €, ein Sondertarif der Österreichischen Bahn für Radfahrer die auch bei Regen fahren, bis Bischofshofen mit. Das war der Ausgangspunkt für die nächsten zwei Tage: Auf dem Tauernradweg ging es an der Salzach entlang. Wir fuhren noch bis Pfarrwerfen und freuten uns auf eine heiße Dusche nach ca. 77 km.

Tag 6

Der Radweg startet im Oberpinzgau am Krimmler Wasserfall und führt im Grund immer an der Salzach entlang weiter durch den Pinzgau, den Pongau und den Tennengau bis nach Salzburg. Wir steigen in Golling in den Radweg ein, natürlich wieder bei Regen und fahren bis Salzburg, der Landeshauptstadt des Bundeslandes Salzburg. Die Stadt liegt mitten im Salzburger Becken. Prägend sind die Stadtberge und die Salzach, die mitten durch das Stadtgebiet fließt.

Nach der Mittagspause in Salzburg erhaschen wir die ersten Sonnenstrahlen und der Regen hört schlagartig auf. Die Stimmung steigt und weiter geht’s an der Salzach bis zur Herzogsstadt Burghausen im Landkreis Altötting. Auf einem Höhenzug über der Altstadt erstreckt sich die Burg zu Burghausen, die mit 1051 Metern Länge die längste Burganlage der Welt ist. Nach ca. 88 km finden wir ein schönes Zimmer im Hotel „Bayerischen Hof“ mitten in der Altstadt mit Blick über den alten Marktplatz, abends gibt es riesengroße Schnitzel und anschließend noch Eis vom Italiener.

Tag 7

Früh noch eine kleine Rundtour bei Sonnenschein durch die imposante Altstadt und dann sollte es losgehen – aber da eine Reifenpanne, wie ärgerlich! Schlimmer noch: Die Mädels sind ohne Luftpumpe unterwegs. Ein Missverständnis, denn beide dachten „die andere hat ja …“ Aber wieder mal hatten wir Glück: Wir fuhren zurück und die RadlMetzgerei in Burghausen hat den Schaden schnell behoben. Ziemlich bergauf geht’s bis zum Inn-Salzachblick mit kurzer Rast und Foto-Stopp im Europareservat Unterer Inn am „Innspitz”, dem Zusammenfluss von Salzach und Inn. Von oben schauen wir auf die riesigen Wassermassen.

Ein unberührtes Natur- und Vogelschutzgebiet, die riesigen Auwälder und Inseln mit den ausgedehnten Wasserflächen und Schlickbänken bieten Lebensräume für zahlreiche Zug- und Wasservögel. Das Europareservat mit einer Größe von etwa 5500 ha. erstreckt sich grenzüberschreitend 55 Flusskilometer von der Salzachmündung flussabwärts bis nach Schärding, unserer nächsten Pause. Eine Sehenswürdigkeit ist das farbenfrohe Stadtbild mit Bürgerhäusern aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Insbesondere die Silberzeile am Oberen Stadtplatz, umgeben von einer weitgehend erhaltenen Stadtmauer mit mehreren mittelalterlichen Stadttoren (Wassertor, Linzer Tor, Passauer Tor), fällt ins Auge. Auf dem Radweg direkt am Inn hatte sich uns ein Eiswagen in den Weg gestellt. Das Eis, die Schlagsahne und Erdbeeren – einfach köstlich – nach 5 Kugeln hatten wir die nötige Energie, um bis Passau durchzustarten. Ein abwechslungsreicher und idyllischer Radweg führte uns am Inn wieder nach Passau zum Bahnhof.

Das Glück war wieder mit uns: Nur 5 Minuten später saßen wir im Zug nach Nürnberg. Im Biergarten Whörder Wiese in Nürnberg gab es noch 6 Nürnberger Bratwürste mit Kraut und das Spiel der Fussball WM Portugal gegen Uruguay (0:1). Der fünfte Fluss steht noch aus, eine Nachtfahrt an der Pegnitz durch den Pegnitzgrund bis Schwaig. Nach 95 km fallen wir ins Bett.

 

 

 

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